Radltour Neuseeland 2006

3. Teil (Athenree - Taupo, 20. - 22. Januar 2006)

 

Freitag, 20.01. Papamoa Beach (68 km)

Wir umfahren 53 km lang das natürliche Tauranga Hafenbecken und denken, wir haben einen leichten Tag, weil wir in der Ebene sind. Diese wird jedoch durchzogen von ungezählten Gebirgsausläufern und Zwischensenken, so dass wir je 500 m mit 8 km/h bergauf radeln und dann wieder mit 38 km/h bergab rollen und nie zu einem Fahrrhythmus kommen. So freuen wir uns, als wir in Tauranga mit der Fähre nach Mount Maunganui fahren können. Danach haben wir vom 232 m hohen gleichnamigen Vulkan einen herrlichen Ausblick auf den endlosen Strand der Bay of Plenty. Natürlich genießen wir hier die blumenbesetzten Dünen und Pazifikwellen, ehe wir in Papamoa Beach im Beach Grove Holiday Park einen Caravan für 20 NZD mieten.

Bay of Plenty

Bay of Plenty

 

Samstag, 21.01. Rotorua (80 km)

Wir verschieben das Frühstück auf später, nachdem wir in unserem Wohnwagen überall Ameisen entdecken, auch in der Marmelade. Wir verlassen die Pazifikküste und machen uns ins Landesinnere (und damit natürlich in die Berge) auf. Zuvor durchfahren wir noch das Kiwiland, das genau deshalb so heißt (daneben gibt es Weingärten, die von hohen Baumhecken vor dem Wind geschützt sind). Mehrmals denken wir voreilig, die letzte Passhöhe erreicht zu haben. Schließlich kommen wir doch noch in der Hochebene an, passieren erst die Okere Falls, dann ein Maori-Gemeinschaftshaus, erreichen erst den Rotoiti See und nach einem Abstecher bergauf nach Tikitere und wieder zurück den Rotorua See, den wir bis zur gleichnamigen Stadt entlang radeln. 

Devil's Cauldron (Teufelskessel) in Hell's Gate

Devil's Cauldron (Teufelskessel) in Hell's Gate

In Tikitere liegt das ThermalgebietHell’s Gate” (Höllentor), das seinen Namen mit vollem Recht trägt. Man wandert auf heißen Wegen (mit der Angst, dass die Sohlen der Turnschuhe schmelzen könnten) durch schwefelstinkende Dampfschwaden vorbei an brodelnden Schlammlöchern, die Devil’s Cauldron (Teufelskessel), Mud volcano (Schlammvulkan), Sodom and Gomorrah und The Inferno (die Hölle) heißen. Auch der Eintrittspreis ist höllisch: 25 NZD pro Person (dank unseres Jugendherbergsausweises – siehe Auckland – etwas billiger). Uta möchte unbedingt ein Foto schießen, wie Volker in einen dampfenden Vulkan bieselt, der aber denkt an die Horrorgeschichten von angebieselten elektrischen Weidezäunen und kann nicht.

Altes Badehaus von Rotorua

Altes Badehaus von Rotorua

Auch im ältesten Teil von Rotorua, im Maoridorf Ohinematu mit seiner idyllisch am See gelegenen Kirche St. Faith's, tritt überall kochendes Wasser an die Oberfläche, was die Bewohner seit Jahrhunderten zum Kochen und für Spas (Warmwasserpools) nutzen. Ist doch echt praktisch, einen Fisch im Rotorua-See zu angeln, ihn auszunehmen und dann gleich im Thermal-Kochtopf im Garten zu kochen und danach im Pool zu verdauen. Volker genießt dagegen den Spa im Backpackers Crash Palace und das Mega-Rind im Steakhouse des überschaubaren Zentrums.

 

Sonntag, 22.01. Taupo (86 km)

Pohutu-Geysir

Pohutu-Geysir

1 Stunde Warten auf den nächsten Ausbruch des Pohutu Geysirs. Die Wartezeit verkürzt uns ein sehr britischer Kiwi, der ununterbrochen auf uns einredet und uns vermutlich die Geschichte der Maori, des Landraubs der Siedler, die Problematik der sich verschiebenden Erdplatten und vielleicht auch was über Kricket oder Krocket erzählt. Volker erneuert für den erpresserischen (weil konkurrenzlosen) Wucherpreis von 55 NZD (!) den Hinterreifen, der aber nur für eine Woche hält (die Schwachstelle ist jeweils nicht die Lauffläche, sondern die "Walk-Stelle" direkt an der Felge!). Dann geht es etwa 22 km lang meist bergauf, dann wieder bergab (das schreibt sich jetzt so einfach...).

Champagne Pool im Thermal Wonderland Wai-o-tapu

Champagne Pool im Thermal Wonderland Wai-o-tapu

Champagne Pool im Thermal Wonderland Wai-o-tapu

 In Wai-o-tapu besichtigen wir das Thermal Wonderland, welches wirklich eines ist. Heiße Mineralquellen treten zutage und schillern in Farben wie gelb (Schwefel), orange (Antimonsulfide), weiß (Siliziumoxid), grün (Arsensulfid), purpurn (Mangan), rot und braun (Eisenoxid und Eisenoxidhydrat) sowie schwarz (Schwefel und Kohlenstoff). Bei unserem 1 ½ stündigen Rundgang kommen wir vorbei an kleinen Kratern (Devil’s Home, Rainbow Crater, Thunder Crater), brodelnden Schlammtümpeln (Devil’s Ink Pots = Tintenfässer des Teufels), verschiedenenfarbigen Seen (Opalsee, dem blubbernden orangefarbenen Champagne Pool, dem schon unnatürlich grünen Devil’s Bath = Teufelsbad) und kleinen Geysiren und Wasserfällen. Als wir um 16:30 Uhr starten, ahnen wir nicht, dass noch 54 (!) km vor uns liegen, weil wir vorher keine Bleibe finden sollen. Zunächst erfreuen wir uns an einer längeren Abfahrt. Dann queren wir eine grünbeweidete Hochebene. Schließlich kämpfen wir uns durch bis nach Taupo am größten Kratersee der Welt, wo wir auf einem idyllisch gelegenen Campingplatz am Beginn des längsten Flusses von Neuseeland, dem Waikato River, unterkommen. Volker erfährt leider zu spät, dass, wenn er das größte Steak des Hauses komplett vertilgt hätte (woran kein Zweifel bestehen kann), er eine ganze Frei-Maß Bier bekommen hätte!

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